Czech nuclear industry/Interview Jan Rovensky, GP CZ

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Dürfte ich Sie darum bitten, sich vorzustellen?

 

Ja, ich heiße Jan Rovensky. Ich bin seit etwa fünf Jahren der Klima-und-Energie-Experte im tschechischen Greenpeace-Büro.

 

Laut letzten Nachrichten wurde der Ausbau des Kernkraftwerkes in Temelín ausgesetzt. Welches waren die Gründe für diese Entscheidung?

 

So viel wir wissen, gab es zwei Hauptgründe. Einer war der Preisverfall der Elektrizität auf dem europäischen Markt, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise.Weder die zu erwartenden Einnahmen noch die Notwendigkeit von neuen Investitionen im Nuklearbereich sind hoch, denn es wird definitiv keinen so großen Bedarf an Elektrizität geben, wie ČEZ – unser größter Netzbetreiber von Temelín – erwartet hatte. Obendrein ist Tschechien momentan ohnehin ein großer Exporteur von Elektrizität. Wir sind weltweit der viertgrößte Stromexporteur. Wir exportieren ca. 15 bis 20 Prozent unserer jährlichen Nettostromerzeugung. In der gegenwärtigen Situation ist anzunehmen, dass ein neues Grundlastkraftwerk durch den Ausbau von Temelin eigentlich keinen ökonomischen Sinn ergibt. Das ist der eine Grund. Der zweite beruht auf den Problemen, die sich durch die Marktkapitalisierung von ČEZ ergeben haben. Jahrelang war ČEZ eines der an der Börse bestbewertesten Unternehmen bzw. Konzerne von Zentralosteuropa. ČEZ verfügte über ein hohes Kapital, das sie irgendwie durch Unternehmensakquisitionen im Balkan und in der Türkei zu investieren trachteten. Aber momentan, wahrscheinlich aufgrund irgendwelcher falscher strategischer Entscheidungen, versuchen sie ihr Geld wieder nach Tschechien für nationale Investitionen zurück zu holen. Anscheinend haben sie nicht genug Geld, diese große Ausschreibung von fünfhundert Billionen Kronen für Temelín zu bewältigen.

 

Halten Sie die Erleichterung der Anti-Atomkraft-Aktivisten über die vorübergehende Aussetzung des Projektes als verfrüht?

 

Ich denke, wir sollten glücklich darüber sein, mehr Zeit zu haben, aber das ist schon alles. Sehr wahrscheinlich bedeutet die Aussetzung nicht, dass ČEZ die Pläne für Temelín aufgibt. Ich nehme an, dass sie weiterhin in die Kernkraft investieren werden, was nur eine Frage von wenigen Jahren, vielleicht zwei oder vielleicht drei Jahre, ist. Ebenso werden sie versuchen, bessere Konditionen mit den Technologiezulieferern zu erreichen. Ein großer Kampf zwischen Russen, Franzosen und Amerikanern, wer die nächsten Reaktorblöcke von Temelín bauen wird, ist bereits entfacht. Die gegenwärtige Regierung will offensichtlich eine Kooperation mit den Amerikanern oder den Franzosen, während ČEZ eine mit den Russen bevorzugen würde, da das billiger wäre. So wird es noch einen interessanten Kampf innerhalb der Industrie über dieses riesige Geschäft geben. Im Großen und Ganzen, denke ich, dass es nur ein Frage weniger Jahre sein wird, was uns wiederum mehr Zeit bietet, Kapazitäten auszubauen. In der tschechische Bevölkerung wird es möglicherweise ein Umdenken bezüglich ihrer Akzeptanz von Kernkraft geben. Vielleicht gibt es dann eine Chance, das ganze Projekt zunichte zu machen, aber im Moment ist nicht der Zeitpunkt zu sagen: „Okay, wir haben gewonnen“.

 

Umfragen nach unterstützt die Mehrheit der tschechischen Öffentlichkeit den Ausbau der Atomenergienutzung. Wie kann diese hohe Akzeptanz erklärt werden?

 

Nun, ich denke, es ist eine Art Tradition. Wenn man sich die Meinungsumfragen anschaut, war die Zustimmung für Atomkraft schon immer sehr hoch. Einer der Gründe sind gewisse wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der tschechischen Industrie, wie zum Beispiel Pilsen in Westböhmen, und den Nuklearbetreibern. Der zweite Grund ist leider, dass durch den Konflikt mit Österreich über Temelín, die Atomkraft zu einer Sache des Nationalstolzes wurde.

Im Allgemeinen ist die tschechischen Ablehnungen in dieser Sache nationalistisch. Die generelle Haltung einiger Politiker zu den ausländischen Staaten ist: „Es ist unsere Angelegenheit und niemand hat das Recht, mit uns darüber zu reden, bzw. ihr könnt schon mit uns darüber reden, aber ihr habt kein Recht, euch einzumischen“. Diese Haltung vertreten sie trotz der Tatsache, dass nukleare Unfälle keine Staatsgrenzen kennen. Ich denke, dass der starke Druck von Seiten Österreichs während der Neunziger zu einem großen Teil kontraproduktiv war, denn er minderte das Voranschreiten der Antiatomkraftbewegung auf tschechischen Boden. Wenn es eine Chance gibt, Temelín stillzulegen, sollte man als erstes auf die Banken zielen, um die Betreiber von den finanziellen Ressourcen abzuschneiden, als zweites könnte die Förderung lokaler, nationaler Unternehmen in Tschechien helfen. Ein starker internationaler öffentlicher Druck erhöht die Chancen der Atomindustrie.

 

 

Glauben Sie, dass einige Menschen Atomkraft als einen Weg erachten, den Klimawandel in Angriff zu nehmen?

Zirka 60 Prozent der tschechischen Bevölkerung ist sich zwar des Klimawandels bewusst, doch rangiert deren Bekämpfung sehr weit hinten in der Liste der Prioritäten von Umweltproblemen, vielleicht sogar ganz am Ende. Eine der Gründe hierfür ist der weiterhin starke Einfluss des tschechischen Präsidenten, Václav Klaus, einer unserer prominentesten Klimaskeptiker. Wir versuchen dagegen anzukämpfen, aber es ist nicht leicht. Ich habe den Eindruck, dass die Nuklearindustrie versucht, den Klimawandel als Argument auszunutzen, die Atomenergie zu fördern. Dennoch glaube ich, dass dies für die tschechische nationale Debatte nicht so wichtig ist, weil viele Atomenergie-Unterstützer gleichzeitig Klimaskeptiker sind. Es ist für sie sehr schwierig, für beides gleichzeitig einzutreten.

 

Wie sieht es mit dem Atommüll aus? Meines Wissens ist das Dukovany Atommülllager eines der größten in Tschechien und wurde speziell für die Entsorgung niedrig- und mittelradioaktiven Atommülls gebaut. Gibt es Pläne der Radioactive-Waste-Repository-Behörde (RAWRA) für ein Lager für hochradioaktiven Müll oder sogar für ein Endlager?

 

Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, so viel ich weiß, gibt es auch ein Lager im Temelín- Kraftwerk. Es gab Pläne für ein direktes Atommülllager außerhalb der Atomkraftwerke, aber diese Pläne wurden in den Neunzigern gestrichen. Es gibt auch einen laufenden Prozess für die Suche nach einem langfristigen unterirdischen Atommülllager. Genau hier liegt unserer Chance, denn dies trifft auf lokaler Ebene auf eine starke Opposition, nämlich eben in den Gemeinden, in denen die Pläne evaluiert werden. Ich glaube, es gibt keinen speziellen Platz der für ein langfristiges Lager evaluiert wird, sondern es sind ungefähr sieben. Aber ich denke, aufgrund des starken lokalen Widerstandes und den fehlenden Ressourcen wird solch ein Lager in den nächsten Jahren nicht realisierbar sein.

 

Tschechien wird als Geburtsort des Uranabbaus im industriellen Maßstabs angesehen.

Das stimmt.

Welche Abbaumethoden werden in Tschechien angewendet und welche Gefahren liegen in den selbigen?

 

Im Allgemeinen sind hier zwei Methoden vorzufinden, Uran abzubauen. Die erste ist das normale Tiefbauverfahren, in dem das Rohmaterial, die Steine, physisch noch oben gefördert wird und dort die Trennung des Urans erfolgt. Das ist die gängige Methode. In Tschechien gab es noch nie Tagebau, wie es in Australien oder anderen Ländern der Fall ist. Die zweite Methode, die in Tschechien bis in den Achtzigern angewendet wurde und die eine wirklich barbarische ist, war die chemische Gewinnung. Dies bedeutet, dass Millionen Tonnen von Schwefelsäure in die Erde gepumpt wurde, dort das Uranerz löste, bevor es nach oben befördert wurde. So gab es keine Schächte, sondern nur einige Bohrungen und etwas Ähnliches wie Brunnen, um Uran hoch zu fördern. Diese Methode war für die Umwelt extrem belastend und wurde 1991 oder 1992 – irgendwann Anfang der Neunziger - beendet. Jedoch geht der Abbau in gewisser Weise durch den laufenden Reinigungsprozess des Geländes weiter, weil versucht wird, den großen Säuresee aus der Erde hoch zu befördern. In dieser Säure befindet sich immer noch eine gewisse Konzentration von Uran, welches dann extrahiert wird. Dieser Vorgang wird noch Jahrzehnte andauern. Obendrein breiten sich der Säuresee im Untergrund weiter aus, wobei sich in den Nachbarregionen große Trinkwasserreservoirs befinden. Wenn sie das aktuelle Abpumpen der Säure stoppten, was Tschechien ungefähr eine Billionen Kronen pro Jahr kostet, würde die Säure sehr wertvolle Trinkwasserreservoirs vergiften. Da ist also eine Umweltkatastrophe im Gang, die leider im Boden stattfindet und so für normale Menschen nicht sichtbar ist. Was wirklich Besorgnis erregend ist, dass es laut einer neuen Gesetzesänderung in der tschechischen Energiepolitik letzten Jahres einen Plan gibt, neue Uranminen zu eröffnen, und zwar in Gebieten, in denen der Tiefbau nicht durchführbar ist. Das bedeutet, dass wieder auf die Abbaumethode mit Säure zurückgegriffen wird. Ich hoffe, dass dies mit einer starken Opposition der örtlichen Bevölkerung konfrontiert sein wird, und wir werden ihnen auf jeden Fall helfen.

 

 

 

 

May I ask you to introduce yourself first?

 

Yes, my name is Jan Rovensky. I'm the climate energy campaigner here in the Greenpeace Czech office now for some 5 years.

 

According to recent news the expansion of Temelín nuclear plant is suspended.

What were the reasons that led to this decision?

 

Well, as far as we know, there are two main reasons. The first one is the decline of the price of

electricity at the European market, because of the economical crisis, so the possible income from the nuclear and the necessity for the new investment are not so high, because definitely there wouldn't be such a hunger for electricity in the next years, as the ČEZ - our biggest utility operator of the Temelín - expected and because currently the Czech Republic is a huge exporter of electricity. We are the fourth biggest exporter of electricity in the world. We export some from fifteen to twenty percent of our net year production. In the current situation I suppose that the new baseload power plant like the one in Temelín virtually has no economical sense. This is the one reason. The second one is the problem with the capitalization of the ČEZ. For years the ČEZ was one of the best capitalized companies or corporations in Central Eastern Europe. They had a huge amount of money and they were looking around to spend it somewhere in the acquisitions in the Balkans and in Turkey and so on. But currently they probably made some wrong strategy decisions, so now they're trying to withdraw the money back to the Czech Republic for the Czech national investment. Its seems they have generally not enough money to manage this huge tender of five hundred billion tender for Temelín.

 

Do you consider the relief of the anti-nuclear activist over this decision that it is suspended to be premature?

 

I think that we have to be happy that we've got more time, but I think that's all. Definitely – not definitely but very probably – it doesn't mean that ČEZ would give up Temelín. I suppose that they will invest in the nuclear. It's only a question of years. It will be in the next two or three years. They are also looking for better conditions with the companies that would submit the technology. There is a big fight between the Russians, the French and the Americans, who will build the next blocks in Temelín. The current government is obviously looking for cooperation with the Americans or the French, while the utility ČEZ definitely is looking for a cooperation with the Russians, because it is cheaper. So it will be an interesting fight inside the industry about this huge deal. So, generally, I suppose that it only will be a question of years and definitely it provides us some time. There will be more capacity. There may be a change in the environmental attitude of the Czech public about the acceptance of nuclear power. There may be some chance to kill the whole project, but it's definitely no time to say okay, we won.

 

According to surveys most of the Czech public supports the expansion of further nuclear power use. How can this great acceptance be explained?

 

Well, I think, it's some kind of tradition, if you look in the opinion polls, I think the acceptance of nuclear power in the Czech Republic was every time very high. One of the reasons is that a big deal of the Czech industry was somehow connected to the nuclear especially in the Western Bohemia Plzeň for example. The second one, unfortunately, is that it became some kind the national pride issue, because of the Temelín conflict with Austria. Generally the Czech discard is nationalistic. Generally some politicians have the general attitude towards foreign states: „It is our business and no one has to talk with us. Or you can talk to us, but you have no right to interfere“, despite of the fact that nuclear accidents don't recognize the border definitely. So I think the strong push from the Austrian side during the nineties was in big deal contradictory, it decreases the advance of the opposition against nuclear power here on the Czech ground. So I think if there's some chance to kill Temelín, the one target would be the banks to cut of the utility of the financial resource, the second one could be the localized national companies in the Czech Republic. A very strong international push could increase the chance of the nuclear industry.

 

 

 

Do you think that some people think of nuclear power as a kind of thing to tackle the climate change?

Well, some sixty percent of the general Czech public is aware of the climate change, I think we talk about priorities. It is very low on the list of the environmental priorities, maybe at the same bottom.

One of the reasons of this is the still big influence of the Czech president, Václav Klaus, one of the prominent climate sceptics. We're trying to fight against it, but it's not easy.

So I think definitely the nuclear industry try to use the climate change as one of the reasons

why to promote the nuclear energy, but I think it's not so important in the Czech national debate,

because a lot of supporters of the nuclear industry are at the same time climate sceptics. It's very hard for them to use it at the same time.

 

What about the waste? I think the Dukovany repository is the largest in the Czech Republic and was built specifically for the disposal of low-level and intermediate-level
radioactive waste. Are there any plans from the Radioactive Waste Repository Authority (RAWRA) for an high-level waste or even permanent waste repository?

 

Frankly to say, I'm not sure, as far as I know, there is also a repository in the Temelín power plant

There were plans to make a direct repository outside of the nuclear power plants, but it was cancelled in the nineties. There is an ongoing process of looking for a long-term underground repository, but it's one of our chances, because it faces a strong opposition on local level from the local communities, in which this plans are evaluated. It's not one particular place, I think there are some seven places that are evaluated for a long-time repository. But I think it's not feasible in the next years, because of the strong local resistence and also because of the lack of resources.

 

The Czech Republic is considered as the birthplace of industrial scale uranium mining.

 

That's right.

What are the methods of extractions used in the Czech Republic and what are the dangers that lie in these methods?

 

There generally two methods of how to extract uranium. The first one is the standard underground mining, which means the physical extraction of the raw material, the rocks, and the separation of uranium on the surface. It's generally normal. There was nothing like opencast mining, which, as far as I know, has been made in Australia and other countries. But what method happened in the Czech republic until the eighties and which was a really barbaric one was the chemical extraction, which means that you put million tons of sulfuric acid in the underground which melted the uranium ore and than it was extracted. So it was no underground mine, there were only drills and something like wells, which extracted this thing. This method was extremely harmful for the environment. It was stopped in nineteen ninety one or nineteen ninety two, at the start of nineties, but there is an ongoing cleaning of this site which in some level is a way of continuing with the mining, because

they try to extract those huge lakes of the acid from the underground. In this acid is still some concentration of uranium, which is than extracted, and this operation will last for decades.

Also this lake of underground acid is spreading and in the neighbour areas there are big reservoirs of drinking water. So if they will stop with the current extraction of the acid, which costs the Czech

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